Was Kanadier gegen die Wölfe tun

Ganz gruselige Sache – die Wölfe sind aktiv. Damals in Zempow war auch einer unterwegs und hat seine gleichmäßige Pfotenspur im Schnee hinterlassen. Wenn ich morgens mit den Hunden meine Koppelrunde gedreht habe, konnte ich beobachten, wie aggressiv die Mutterkühe gegen die Hunde angehen, wenn nachts der Wolf da war.

Der Kanadier Brian Delinte hielt kürzlich darüber einen Vortrag, welche Lösungsansätze er hat.

Ann Seng schreibt in ihrem Blog davon:

In seinem Vortrag erzählte uns Brian von den Erschwernissen, mit denen sie als Schaf- und Rinderzüchter in Kanada klar kommen müssen. So gibt es in Alberta zwar sehr viel Land um große Schaf- und Rinderherden zu halten, es kommt jedoch immer wieder zu Übergriffen auf die Herden durch Raubtiere. Zu diesen zählen zum Beispiel Wölfe, jedoch auch Grizzly Bären, Braunbären und Pumas. In Kanada ist es häufig erlaubt die Wölfe zu erschiessen. Brian verwies jedoch darauf, dass es sich dabei nur um eine kurzfristige Lösung handele.

Im Gegenteil setzt er darauf, Veränderung im Verhalten der Herden frühzeitig erkennen und einzugreifen, bevor Herdentiere gerissen werden. Sind Kuhherden zum Beispiel gestresst, ist es durchaus möglich, dass ihnen seit mehreren Tagen Wölfen auf der Spur sind, die die Herde bereits „testen“ um zu sehen ob sie hier leichte Beute machen könnten.

Erkennt man nun, dass eine Herde „getestet“ wird, hat man die Möglichkeit die Herde in ein anderes Gebiet zu treiben oder bereits geschwächte Tiere aus der Herde zu entfernen. Dies beugt einem Wolfsangriff vor. Weiterhin versucht man auf Brians Ranch, den Rindern beizubringen, sich selbst zu schützen. So werden vor allem im Winter die Herden abends zugefüttert um sie zusammen zu treiben und sich so gegenseitig Schutz zu bieten. Denn wenn die Mutterkühe ihre Kälber in dem Schutz der ganzen Herde unterbringen, wird es für Raubtiere wie Wölfe deutlich schwerer, an ihre Beute heran zu kommen.

Quelle: http://annshorsemanship.de/uncategorized/brian-delinte-ueber-stockmanship

1. Stockmanship Seminar mit Stolzen Kühen

Am 20. August findet von 13 bis 16 Uhr das 1. Stockmanship Seminar auf dem Hof Stolze Kuh statt. Es gibt eine Stunde Theorie und zwei Stunden Übungen.

3 Plätze sind noch zu vergeben. Anmeldung an stolzekuh@posteo.de
Treffpunkt: 16248 Lunow-Stolzenhagen, Weinbergstr. 6a

Stockmanship mit Jungvieh schmal

Bufdis und Auerochsen

IMG_0766Schon vor einem Jahr traute ich mich in die Höhle des Löwen und trieb mit Johann vor dem Bauch, eingehüllt in Schaffell und Tragecover (denn es war seeehr kalt), die Auerochsen-Rückzüchtungen des Nationalparkvereins in den Fangstand. Ganz langsam, Mini-Schritt für Mini-Schritt, dann noch eine dünne Litze zum Absichern… Denn Wegrennen wäre mit Baby im Tragetuch nicht möglich gewesen. Aber es klappte.

Während des Babyjahrs konnte ich hier und da mal wieder (Mutter-)Kühe treiben. Nun mit mehr Verständnis für die Sorgen der Mütter um ihre Kälber. 😉 So blieb ich also am Ball, schaffte es aber kaum, ein paar Zeilen dazu zu schreiben.

Ende November führte unser Weg nach Ostfriesland, um mit 16 Bundesfreiwilligen Stockmanship einzuüben. Die Theorie lief intuitiv und interaktiv, um die jungen Leute nicht in virtuelle Welten abschweifen zu lassen. In der Praxiseinheit gingen jeweils 8 mit Ani spazieren, die übten sich in Respekt und Mut und ein paar sensiblen Schritten. Denn da die Heckrinder sonst „mit Landrover und Trecker festgesetzt“ werden, um sie zu schießen, genügte eine schnelle Bewegung und sie waren am anderen Ende der Weide, welches sehr weit weg war. Sehr eindrücklich war der Bulle, der aussah als wäre er aus einer Spanischen Arena entkommen. Er war ungelogen einen halben Meter größer als die Kühe, aber nicht territorial veranlagt, sodass er immer mit der Herde mitzog. Trotzdem aufregend!

Allan Savory: Durch Treiben großer Herden gegen die Verwüstung des Grünlands

Dieser alte Mann hat eine Wahnsinnserkenntnis! Er zeigt, dass semiarides Land (mit Regen- und Trockenzeit) ohne Tiere zur Wüste wird und mit Dauerbesatz auch verwüstet. Die Lösung?! Ganzheitliches Weidemanagement! Er veranlasst in vielen Ländern, dass große Herden über das Grünland getrieben werden, dabei fressen, aber auch jegliche Vegetation niedertrampeln, sodass der Boden bedeckt (quasi gemulcht) ist und Wasser aufnehmen kann, wenn es regnet. Eine sehr faszinierende Entwicklung zeigen die Bilder!

Solange nicht aktiv?

Doch! Aber es gibt ja noch abgelegene Orte ohne schnelles Internet – dort verweilte ich zwischen April und August, deswegen gab es keine Beiträge!

Mein Altdeutscher Hütehund und ich lernten auf einem Bergbauernhof in Südtirol einiges über symbiotische Landwirtschaft. Wir adoptierten ein Schaf, zogen Zicklein auf und übten uns im stressarmen Treiben von Milchvieh mit Hund. (Neben der Arbeit mit den 5 hübschen Grauviehkühen, 40 bersteigenden Milchziegen, lustigen Hühnchen, dem Käsen, Schwangersein und Haushalt und der Etablierung eines Käsevielfalts-Marktstandes in Bozen :)).

Und: Ich einen landwirtschaftsaffinen Blogger entdeckt, der einen schön bebilderten, nachdenklichen Artikel über die Berglandwirtschaft und Kühe mit Hörnern geschrieben hat!

hübsches grauvieh

Forschung über Low Stress Stockmanship

Es gibt immer wieder Studierende, die sich mit der stressarmen Methode beschäftigen, aber irgendwie kommen die Ergebnisse nicht groß raus. In Amerika geht einiges, hier in Deutschland erfährt man gar nicht, wo LSS praktiziert wird. Das sollte sich ändern!

Ich würde gern Forschungsergebnisse verlinken – eine kleine Befragung von Witzenhäuser Student*innen, bei der als Expertin mitgewirkte, habe ich angefragt.

Von April bis Juli 2013 arbeitete ich als Mentorin für eine Kooperation zwischen der HNE Eberswalde und dem WWF Deutschland. Mit fünf Schülern ging es um die Kommunikation klimafreundlicher Ernährung – mir war wichtig, vor allem Regionalität ins Blickfeld zu rücken und natürlich ging es auch um LSS. Hier ein Artikel über meine Forscher-Tätigkeit, veröffentlicht in der WWF-Jugendcommunity.

Ein Bild, das die Schüler sehr bewegte – ihnen wurde deutlich, dass Tierhaltung nicht anonym sein sollte: Ulli Bressel auf Hof Schwalbennest mit einem Kalb

Dezentral Schlachten für ein würdevolles Ende?

Ich bin Temple Grandin sehr dankbar für ihr Wirken: die Hälfte aller Rinder in den USA läuft dank ihr stressärmer durch Schlachthöfe, weil die Mitarbeiter in der LSS-Methode geschult und die Gebäude psychologisch sinnvoll konzipiert und umgebaut wurden. Hier ein Beitrag dazu, mehr und direkt auf der Webseite von Temple Grandin.

Schon als ich in Kanada war, fand ich es Wahnsinn, dass es auf einer Fläche von Deutschland nur eine Schlachtstätte gab! Alle Tiere wurden dorthin gekarrt. Eine Massenabfertigung. Die Versuche der Rancher vor Ort (um Meadow Lake, Saskatchewan) eine dezentrale Schlachtung, Verarbeitung und Vermarktung aufzubauen schlug trotz schon getätigter Investitionen fehl – immer wieder wurden ihnen von Seiten der Behörden Steine in den Weg geräumt, an denen sie schließlich scheiterten.

Ich verstehe nicht, wieso man in irgendeiner Weise von einer humanen Schlachtung sprechen kann. Selbst der Kugelschuss auf der Weide ist nicht menschlich, vielleicht aber ethisch hochwertiger?! Jedenfalls wird dem Tier der Transport erspart – ist es moralisch einwandfrei das Tier in seiner eigentlich schützenden Herde zu schießen? Wäre es nicht angebracht, jedem Lebewesen, das getötet wird, in die Augen zu sehen und ihm zu sagen, dass es sterben wird?

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Am Wochenende findet in Wietze eine Demonstration von Wir haben es satt! statt. Hier ein Auszug aus dem Aufruf:

430.000 Hühner sollen täglich im niedersächsischen Wietze geschlachtet werden. Europas größter Schlachthof für Geflügel wurde mit 6,5 Millionen Euro aus Steuergeldern subventioniert. Der Megaschlachthof ist ein Symbol für die Agrar- und Lebensmittelindustrie und steht wie kaum ein anderer Ort für deren Praktiken:

Megaställe, die bäuerliche Landwirtschaft verdrängen und Anwohner, Regionen und Umwelt belasten.
Tiere, die auf viel zu engem Raum und mit Hilfe von Antibiotika qualvoll gehalten werden.
Bauern, die keine fairen Preise für ihre Erzeugnisse bekommen und von der Agrarindustrie verdrängt werden.
Fleisch, das in Überschüssen produziert und zu Dumpingpreisen in die Länder des Südens exportiert wird, wo es kleinbäuerliche Märkte zerstört.
Menschen, die in Schlachthöfen zu Dumpinglöhnen und unsozialen Bedingungen arbeiten.
Futter, das vielerorts in Monokulturen angebaut wird und in Lateinamerika zu Landkonflikten führt.
Gülle, die Böden und Trinkwasser verseucht.
Essen, dem wir nicht vertrauen können.

Kleine, dezentrale Schlachthöfe müssen häufig schließen, weil sie die EU-Normen nicht mehr erfüllen können. Aber auch, weil die meisten Konsumenten dann halt doch im Discounter Fleisch kaufen und nicht mehr beim Metzger im Dorf.

Mir ist es wichtig, weiterhin mit Verbrauchern in Kontakt zu sein und in Gesprächen für Aufklärung zu sorgen. Denn Fragen gibt es viele, Alternativen wie Solidarische Landwirtschaft, bei denen ein direkter Bezug zum Tier möglich wäre, begegnen einem nicht unbedingt auf der Straße.